Von Null auf Online-Shop – die Geschichte mit dem MVP

Thomas Binder - 16.04.2020

Nein, keine Angst, das ist nicht der tausendste Beitrag, wie man im Homeoffice in Corona-Zeiten am besten zurecht kommt (wobei die Kollegen hier gern unterstützen). In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie man schnell und möglichst reibungslos seinen E-Shop (oder sein Service-Portal, oder seinen neuen Internetauftritt, …) online kriegt.

 

EmWiePie - oder warum man auch mal anschieben muss

Dazu erstmal vier elementare Empfehlungen zu Beginn:

  1. Mut zum Unperfekten
  2. Klare Vision – unscharfe Details
  3. Erfahrenes Team
  4. Interne Kommunikation

1. Mut zum Unperfekten

Was heißt ein „perfekter Online-Shop“? Einer der alle Produkte zeigt, mit ausgeklügelten Funktionen, Dashboards und Personalisierung den Kunden umgarnt und die Kompetenzen des Betreibers an allen Ecken und Enden ausstrahlt? So oder ähnlich werden die meisten antworten – und das ist auch OK, behandeln wir aber im nächsten Kapitel. Das wichtigste ist nämlich, sich auf die Reise einzulassen, sich nicht vollkommen auf das Ziel zu fokussieren. Gerade digitale Projekte können jederzeit mit neuen Funktionen erweitert werden und damit an sich ständig veränderten Anforderungen angepasst werden.

Fazit: Erst wenn klar ist, dass wir uns nicht in einem „Projekt“ mit einem dediziertem Ende befinden, sondern ein „Produkt“ aufbauen, das länger leben und gewinnbringend eingesetzt werden soll, wird klar, dass wir mit der Reise etwas aufbauen und nicht am Ende der Reise erst ein Ergebnis erwarten.

2. Klare Vision – unscharfe Details

Der Aufbau unseres „Produktes“ soll uns aber nicht davon abhalten, eine klare Vision für unser Produkt zu entwickeln und danach zu arbeiten. Warum ist die Vision so wichtig? Gerade weil wir gelernt haben „auf der Reise“ Funktionen aufzubauen und diese nicht schon von Beginn an bis ins Detail zu definieren, brauchen wir etwas, an dem wir uns orientieren können. Dazu braucht es eine klar definierte Vision und bei jeder neuen Anforderung, jedem Feature und jeder Idee kann dann entschieden werden, ob und wie weit dies in die Vision einzahlt. Zu Beginn der Reise wissen wir zwar schon sehr genau, WAS wir erreichen wollen, wir müssen aber noch nicht wissen, WIE genau wir das tun. Die Details werden im Laufe der Zeit erarbeitet

Fazit: Mit einer klaren Vision im Gepäck können wir auf die Reise gehen und währenddessen Funktionen, Schnittstellen und detaillierte Anforderungen aufnehmen und umsetzen.

3. Erfahrenes Team

Einen erfahrenen Dienstleister zu finden, der agiles Arbeiten kennt ist inzwischen nicht mehr so schwer. Das interne Team muss aber ebenfalls vorbereitet sein und sprichwörtlich mit auf die Reise genommen werden. ARITHNEA kann hier nicht nur als Dienstleister mit Erfahrung dienen, sondern unterstützt auch gerne den internen KnowHow mit Rat und Tat. Die Arbeit an einem „Produkt“ unterscheidet sich auf den ersten Blick zwar noch nicht von altbekannter „Projektarbeit“, dennoch sind etliche Arbeitsschritte naturgemäß unterschiedlich und auch die Kommunikation verläuft nach einem anderen Muster.

Fazit: Mit einem erfahrenen Team und klar definierten Vorgehen in der Umsetzung wird die Umsetzung nicht nur reibungsloser verlaufen, sondern das Team wird auch mit Spaß und Eifer daran arbeiten und vor allem intern die Erfolge schnell kommunizieren.

4. Interne Kommunikation

Neben der Arbeit im Team ist es wichtig, dass die Entscheidungswege im Unternehmen nicht nur transparent sind, sondern vor allem auch schnelle Entscheidungen möglich sind. Bei der Arbeit in einem agilen Umfeld ist ein zentraler Ansprechpartner, der schnelle Entscheidungen entweder direkt selber treffen darf (oder zumindest schnell erarbeiten kann) besonders wichtig. Nur so können neue Funktionen reibungslos entwickelt, beschrieben und umgesetzt werden.

Fazit: Ein zentraler entscheidungsbefugter (und entscheidungswilliger!) Ansprechpartner ist ein Garant für einen reibungslosen Verlauf, da er schnelle Kommunikation im Team erst ermöglicht.

 

Was ist nun eigentlich das MVP?

Nachdem wir die Grundlagen kennengelernt haben, reden wir nun darüber, wie wir die Reise definieren und beginnen können. Die Abkürzung MVP bedeutet „Minimum Viable Product“ und bezeichnet damit also den Umfang des Produktes, der notwendig ist, um damit erstmals wirklich produktiv zu arbeiten. Dieser Umfang ist natürlich immer vom Unternehmen und seinen ureigenen Geschäftsprozessen abhängig, ist aber meistens relativ gut zu umreißen und festzulegen. Ein MVP bedeutet also, dass zunächst die Basis hergestellt wird, um darauf das Produkt immer weiter auszubauen.

Das nachfolgende Bild soll dabei verdeutlichen, wie am besten an einem MVP gearbeitet wird.

X - So nicht:

Die oberste Reihe zeigt den „klassischen“ Verlauf eines Projektes, d.h. es ist klar definiert, was erreicht werden soll (das Auto in Bild 4). Dabei werden in einer Spezifikation die Räder, das Fahrwerk und letztlich die Karosserie entsprechend erstellt, zusammengefügt und es ergibt sich dann das fertige Bild.

X - So auch nicht:

Die zweite Reihe zeigt ein weit verbreitetes Bild der Konzeption eines MVP „Starte mit einem Roller, baue ein Fahrrad und über ein Motorrad kommst zu zum Auto“. Das vermittelte Bild ist jedoch ein falsches. Denn der Sinn eines MVP ist es nicht, einzelne Arbeitsschritte wegzuwerfen, und jeweils neu zu starten. Immerhin kann ein Roller nicht einfach in ein Fahrrad und ein Motorrad nicht einfach in ein Auto überführt werden – ohne die bisherige Arbeit über Bord zu werfen.

✓ - So konzipiert man ein MVP:

Die letzte Reihe zeigt daher das Vorgehen, welches am sinnvollsten für ein Minimum Viable Product ist. Man beginnt von Anfang an mit einem Auto, vielleicht fehlt zu Beginn noch der Motor und es müssen einige Arbeitsschritte manuell vorgenommen werden, dafür ist aber bereits das Wesen der Vision von Beginn an erkennbar. Nach und nach wird dann hier im Beispiel an der Karosserie, der Motorisierung oder der Beleuchtung gearbeitet.


Wie man ein Minimum Viable Product (MVP) konzipiertAbb. 1 - Wie man ein Minimum Viable Product (MVP) konzipiert

 


Eine andere Darstellung des MVP verdeutlicht, dass im MVP nicht nur die Funktionalität umgesetzt wird. Es geht nicht darum, dass mit dem MVP fachlich fast alle Funktionen möglich sind, dabei aber keine Gedanken an die Zuverlässigkeit, Bedienbarkeit oder UX und das Design gemacht wurden. Ein vollständiges Minimum Viable Product berührt alle diese Aspekte, damit bereits entsprechende Erfahrungen mit dem Produkt gemacht werden. So kann das MVP immer weiter ausgebaut werden, bis es immer mehr und mehr umfasst. Die Arbeit an einem Produkt ist so gesehen nie fertig.

Welche Eigenschaften des Endprodukts das Minimum Viable Product (MVP) bereits abdecken muss
Abb. 2 - Welche Eigenschaften des Endprodukts das Minimum Viable Product (MVP) bereits abdecken muss (violett)

 

Fazit und Checkliste

Ein MVP sollte sicherstellen, dass

  • ein schneller Markteintritt möglich ist
  • neue Märkte ausgetestet werden können (und ohne hohe Investitionskosten neue Ideen validiert werden)
  • der time-to-market reduziert wird (wir rechnen bei einem MVP in Wochen, nicht Jahren)

Ein MVP sorgt für

  • schnelles Feedback von Kunden und Partnern
  • fundierte Basis für regelmäßige Weiterentwicklung
  • schnelle Anpassung an Marktbedingungen

Ein MVP bietet

  • eine stabile Basis für weitere Plattformen
  • anpassbare Funktionen für unterschiedliche Märkte, Standort oder Regionen
  • eine ideale Plattform für User Experience mit schnellen Ergebnissen

 

 

Unser Tipp

In unserem Whitepaper "Agile Business Development" stellen wir den sogenannten Speedboot-Ansatz vor, der Unternehmen einen schnelleren Markteintritt bietet. Das MVP spielt dabei eine ganz entscheidene Rolle.

Das Whitepaper können Sie hier herunterladen:

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Tags: Agile Business - Beratung & Strategie - E-Business

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