Payment im E-Business - Integration in SAP Commerce Cloud und commercetools

Thomas Binder - 23.7.2019

Nicht nur durch das aufkommende „as-a-Service“-Zeitalter wachsen die Anforderungen an eine saubere Integration der nötigen Bezahlung von Waren und Dienstleistungen im Online-Handel. Bereits seit Jahren entstehen immer neue Zahlungsarten mit mehr oder weniger spitzen Anforderungen an Customer Experience.

Payment wird immer wichtiger

Angefangen über diverse E-Wallet-Anbieter, die entweder direkt mobiles Zahlen ermöglichen oder auch auf dem Desktop bequemeres Bezahlen versprechen, bis hin zu weiteren (meist rechtlichen) Anforderungen in klassischen Zahlungsarten wie z.B. Kreditkartenzahlungen. Der Markt steht nicht still und gerade international agierende Anbieter müssen sich um einen regelrechten Zoo an unterschiedlichen Zahlungsarten kümmern. Denn das, was Kunden in Deutschland gewohnt sind, kennen Kunden in Übersee oder Asien gar nicht – oder bringen sogar ihre eigenen gewohnten Bezahlsysteme mit. Aber auch das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange – wie eingangs erwähnt, warten täglich neue Herausforderungen auf Anbieter. Das kann zum einen die Aufgabe sein, Abo-Modelle mit monatlichen Mietbeträgen abzurechnen oder gar eine verbrauchsabhängige Bezahlung ihrer Dienstleistungen anzubieten – über das übliche Postpaid-Modell per Rechnung oder Bank-Einzug hinaus! Stornierungen entsprechend des Telemediengesetzes oder weitere wichtige Bedingungen rund um Bezahlung, Rückerstattung oder Finanzierung, müssen auch noch beachtet werden…

Wer jetzt den Überblick verloren hat ist hier genau richtig, lassen wir uns mal gemeinsam auf einen kurzen Besuch im Dschungel des Payment ein.

 

Was bedeutet Payment

Zunächst mal bedeutet Payment, dass Anbieter von Waren und Dienstleistungen für die Lieferung bzw. ihre Leistung bezahlt werden. Gerade für Online-Shops oder E-Business Plattformen gelten hier besondere Anforderungen und Regeln. Viele Businessmodelle beinhalten explizite Treuhandkonten, die man über einen Payment Service Provider (PSP) direkt einrichten und abwickeln kann. Der Kunde möchte also möglichst einfach und schnell, der Anbieter möglichst sichere und bequeme Zahlung erhalten.

Mit nur einer Zahlungsart ist es leider nicht getan. Anbieter von Online-Plattformen müssen ihren Kunden die Zahlungsmöglichkeiten bieten, die diese gewohnt sind und wie selbstverständlich erwarten, um keine Kaufabbrüche zu riskieren. Da aber kein Anbieter sich um all diese verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten selbst kümmern kann, weil der Aufwand diese alle selbst zu integrieren sehr hoch ist, kommen Payment Service Provider (PSP) ins Spiel. Diese bündeln in der Regel viele Zahlungsarten und übernehmen das Handling zwischen den Anbietern und Banken, Kreditkarten-Acquirern oder anderen Zahlungsanbietern. Dadurch verringert sich der Integrationsaufwand für den einzelnen Anbieter zum Teil erheblich. Fast alle PSP bieten dabei diverse Reporting-Funktionen sowie Risiko- und Betrugsprüfungen im Paket mit an. Viele dieser PSP gehen sogar einen guten Schritt weiter und bieten darüber hinaus gehende Dienste an. Dies können die genannten einfachen Verwaltungsdienste sein, komplette Zahlungsabwicklungen bis hin zur Forderungsverwaltung oder gar die Übernahme des Inkasso bei ausstehenden Zahlungen.

Hier gilt es also für den jeweiligen Anbieter nicht nur zu klären, welche Zahlungsarten er überhaupt anbieten möchte, sondern auch, wieviel organisatorischen Aufwand er bereit ist selbst zu übernehmen oder ob er Aufgaben rund um Zahlungsverkehr direkt outsourcen möchte.

 

Wie integriert sich Payment

Die PSP klemmen sich praktisch zwischen dem Online-Shop und den vom Endkunden gewünschten Zahlungsanbieter. Klassisch in Deutschland sind dies natürlich Kauf auf Rechnung, Vorkasse oder Kreditkartenzahlung. Aber auch PayPal, Paydirekt oder Giropay oder international auch Alipay, WeChat oder andere regionale Anbieter zählen hierzu. Für jede Zahlungsart sind jeweils unterschiedliche Voraussetzungen zu beachten, wenn ein Anbieter diese direkt selbst integrieren möchte. Diese reichen von entsprechenden Schnittstelleneinrichtungen bis hin zu umfangreichen Sicherheitsanforderungen bei der Speicherung persönlicher Daten der Zahlungsarten. Ein PSP verringert diese Anforderungen teilweise enorm und bietet entsprechende Erleichterungen gerade bei sicherheitsaufwändigen Zahlungsarten wie z.B. Kreditkarteninformationen.

Für Standard-Software wie z.B. SAP Commerce Cloud oder commercetools bieten fast alle PSP bereits Standard-Bausteine an, die eine Integration nochmals vereinfachen. Dies bedeutet dann, dass mit Inanspruchnahme dieser Bausteine bereits die technische Basis einer Integration vorhanden ist und diese dann konfiguriert werden und an die individuellen Geschäftsprozesse der einzelnen Anbieter angepasst werden müssen.

 

Wie sollte eine Payment-Integration durchgeführt werden

Sofern Sie als Anbieter noch keine wirklich konkrete Vorstellung haben oder auch um Ihre bestehenden Vorgaben zu prüfen, sind speziell die folgenden Fragen zu klären:

• Welche Zahlungsarten erwarten Ihre Kunden?

• Mit welchen Kosten sind diese Zahlungsarten verbunden?

• Können die Zahlungsarten mit meiner Buchhaltung/meinem ERP zusammenarbeiten?

• Kann und möchte ich mich um die Zahlungseingänge „unsicherer“ Zahlungsarten wie z.B. Rechnung, Lastschrift o.ä. selbst kümmern? Oder möchte ich diese Aufgaben abgeben?

• Muss ich die Zahlungsarten in allen Vertriebsgebieten identisch anbieten, oder sind regionale Unterschiede zu berücksichtigen?

• Benötige ich wiederkehrende Abo-Funktionen für meine aktuellen oder künftigen E-Business Angebote?

Hierbei unterstützen wir Sie gerne. Nutzen Sie unsere Expertise für sich und Ihre Kunden.

 

Vorgefertigte Plugins für Ihren Shop

Nahezu alle Standard Shopsysteme bieten Plugins für die direkte Nutzung im Shop. Diese Plugins integrieren sich einerseits in den Checkout-Prozess des Shops und mit dem jeweiligen Shop-System. Diese können Sie nutzen, um schnell neue Zahlungsarten hinzuzufügen. Für SAP Commerce Cloud werden diese sogenannten Extensions auf dem SAP AppCenter bereitgestellt, dort können nahezu alle PSP und Zahlungsarten direkt ausgewählt und eingebunden werden. Wichtig ist beim Einsatz dieser Plugins darauf zu achten, dass diese nicht versionsspezifisch sind und dass dafür professioneller Support angeboten wird.

 

Was bieten Payment Service Provider

Ein vollständiger Marktüberblick im Rahmen dieses Beitrags zu leisten ist unmöglich, wir möchten aber die wichtigsten Punkte, die ein PSP leisten kann in dieser Übersicht zusammenstellen. Gerne evaluieren wir mit Ihnen gemeinsam, ob der von Ihnen präferierte PSP die von Ihnen geforderten Zahlungsarten unterstützen kann und/oder welche für Sie in Frage kommen.

 

Gängige Zahlungsarten

Die Bündelung von Zahlungsarten ist eine der Hauptaufgaben von PSP, hier sehen sie eine Auflistung der gängigsten:

Kredit-/Debitkarte: der PSP sollte Verträge mit den weltweit gültigen oder ggf. auch regionale Besonderheiten bieten

Banküberweisung: der PSP kann den Zahlungseingang bei Vorkasse prüfen

Rechnung: der PSP kann Rechnungsstellung, Eingang der Zahlungen und Nachverfolgung bei Zahlungsausfällen bieten

Lastschrift: Der PSP kümmert sich um die ordnungsgemäße, SEPA-konforme Abbuchung vom Konto des Kunden

Vorkasse: Der PSP kümmert sich um die ordnungsgemäße Überweisung durch z.B. paydirekt, Giropay, Sofortüberweisung u.ä. und kann auch Zahlungseingänge auf verbundenen Konten prüfen

Nachnahme: der PSP kann direkt die Nachnahme mit z.B. der Deutschen Post vereinbaren

Prepaid: Integration von Prepaid-Karten zur Zahlungsabwicklung

Handyrechnung: Abrechnung und Sicherstellung der Zahlung über die Handyrechnung

E-Wallet: Integration verschiedener E-Wallets wie Google Pay, Apple Pay, Paypal, WeChat Pay oder Alipay

Sonstige: speziell regionale besondere Zahlungsarten wie Barzahlen.de oder andere Offline-basierte Zahlungsmethoden kann der PSP anbieten

 

Weitere Vertriebskanäle

Bisher lag der Fokus auf reinen Online-Bezahlanforderungen, aber viele PSP sind in der Lage auch weitere Vertriebskanäle abzudecken:

E-Commerce: der „Normalfall“ für einen IPSP (Internet Payment Service Provider) ist die Bezahlung für reinen Online-Handel

M-Commerce: spezielle für mobile Commerce nützliche Funktionen wie einfache mobile Adressverwaltung auch für unterschiedliche Online-Plattformen

In-App Käufe: Integrationsmöglichkeiten direkt in einer App

Point of Sale (POS): die Abrechnungsmöglichkeiten direkt am POS

mobile Point of Sale (mPOS): mobile Abrechnungsmöglichkeiten am POS

mail order / telephone order: Integration von Zahlungsmöglichkeiten per Telefon oder Brief

 

Weitere Dienstleistungen

Neben der reinen Zahlungsabwicklung bieten viele PSP noch weiterführende Dienste an, die gängigsten hierbei sind:

Rechnungsverwaltung: z.B. Rechnungserstellung, Prüfung eingehender Zahlungen, automatisches Mahnwesen, Übergabe an Inkasso

Adressprüfung/Bonitätsprüfung: Prüfung der Adresse auf Richtigkeit und Bonität des Kunden

Chargeback Management: Verwaltung von Rückzahlungen bei Retouren oder Gutschriften

Factoring: Komplette Übernahme des Ausfallrisikos

Abozahlungen, Ratenzahlungen: Möglichkeit, eine einmal eingerichtete Zahlungsmethode für wiederkehrende Zahlungen und/oder auf Raten zu verwenden

So wird Payment ein Erfolgsmodell!

Ich hoffe, damit sind zumindest die drängendsten Fragen angesprochen und das durchaus komplexe Thema Payment etwas klarer geworden. Sie benötigen tiefergehende Informationen? Oder Sie möchten eine Analyse Ihrer bisherigen Payment-Landschaft und eine Handlungsempfehlung für künftige Ausbaustufen? Fragen Sie uns gerne, wir unterstützen Sie mit unserem erfahrenen Team von der Analyse und Konzeption bis hin zur direkten Umsetzung und Integration in Ihre Systemlandschaft.

Tags: Beratung & Strategie - Customer Experience - E-Business

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